Angriff auf den Zucker

Seit die amerikanische Lebensmittelbehörde im Dezember 2008 das Extrakt Rebaudiosid A zugelassen hat, wächst der Stevia-Anteil in Lebensmitteln rasant. Nach Angaben des amerikanischen Stevia-Anbieters GLG Life Tech wird der Umsatz der mit Stevia-Produkten gesüßten Lebensmittel von 100 Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf 2 Milliarden Dollar im nächsten Jahr steigen. In vorderster Reihe haben sich die großen Getränkeanbieter positioniert: Coca-Cola süßt seine Limonadenreihe „Sprite Green“ mit der eigenen Stevia-Marke „Truvia“, PepsiCo, der Lebensmittelriese Kraft, der Getränkekonzern Hanson – alle haben schon Stevia-Produkte auf dem Markt.
Coca-Cola hatte sich Patente gesichert

Kritiker bemängeln, dass die neue Beliebtheit der alten Pflanze erst eingesetzt hat, als einige klassische Zuckeraustauschstoffe ihren lukrativen Patentschutz verloren. Seither habe der Widerstand der chemischen Industrie spürbar nachgelassen. Zudem wird der Stevia-Absatz in den Vereinigten Staaten – zumindest indirekt – von politischen Kampagnen gegen Fettleibigkeit gestützt. Wichtigster Anbieter ist der amerikanische Mischkonzern Cargill (Jahresumsatz: 117 Milliarden Dollar), der auf Basis langlaufender Lieferverträge mit Coca-Cola die Marke Truvia mitentwickelt hat. Coca-Cola hatte sich frühzeitig Patente für das Extrahieren von Stevia-Extrakten gesichert und so eine Markteintrittsbarriere geschaffen. Das Partnerunternehmen Cargill heuert derzeit angeblich Hunderte Bauern in China an, um den erwarteten Ansturm auf Stevia zu meistern.

Coca-Cola, Cargill, die japanische Morita und die European Stevia Association waren denn auch die Treiber hinter den Zulassungsanträgen für die Europäische Union. Beflügelt wurde der Vorstoß vom Verhalten der französischen Regierung, die das Extrakt Rebaudiosid A Ende 2009 auf zwei Jahre befristet zugelassen hatte. Der französische Lebensmittelriese Danone kündigte umgehend den ersten Diätjoghurt auf Stevia-Basis an. Coca-Cola erklärte, die Rezeptur für die französische „Fanta Still“ entsprechend zu ändern. Die Amerikaner fügten eilfertig hinzu, Stevia solle auf keinen Fall das umstrittene Süßungsmittel Aspartam ersetzen, dessen Unbedenklichkeit von der EU schließlich festgestellt worden sei.

Dahinter steckt ein Kalkül, schließlich sind Stevia-Süßstoffe zwar billiger als Zucker, aber immer noch teurer als klassische Süßstoffe. Mit der massenhaften Verbreitung könnte der Preis für Stevia-Süßstoffe schnell sinken. Das Marketingargumentarium spricht ohnehin für das Süßkraut aus Südamerika. Das potentielle Marktvolumen ist jedenfalls riesig. Der globale Zuckermarkt wird auf 70 Milliarden Dollar Umsatz geschätzt – weitere rund 1,5 Milliarden Dollar werden mit Zuckeraustauschstoffen umgesetzt.

Der Süßstoffverband erwartet nach eigenem Bekunden keine Verdrängung. Stevia werde als neuer Baustein die Kette der bestehenden Produkte lediglich ergänzen. Auch Südzucker-Chef Wolfgang Heer fährt das Thema eher klein. „Wir sehen Stevia als interessantes Substitut für künstliche Süßstoffe“, sagt er. Von einem Angriff auf den Zuckermarkt spricht er nicht.

Text: F.A.Z.

Über Yerbabuena - die Stevia-Kenner

Dieses Blog berichtet aus Paraguay - der Heimat der Stevia. Gerne teile ich mein Wissen über Stevia mit meinen Lesern und stehe für Fragen zur Verfügung. Kunden, die das echte Stevia in Bio-Qualität in größeren Mengen einkaufen möchten, stehe ich gerne als Vermittler zur Verfügung. Sprechen Sie mich an!
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