So funktioniert der Anbau von Stevia – Teil 1

Über 90% der paraguayischen Bevölkerung lebt unter Bedingungen, die weit unter dem Existenzminimum eines Europäers liegen und überwiegend sogar den paraguayischen Mindestlohn von umgerechnet ca. € 120,– unterschreiten. Um eine Familie ernähren zu können, müssen daher bereits die Kleinsten hart mit anpacken, denn eine staatliche Versorgung oder Unterstützung gibt es hier nicht.

Für viele Kleinbauern in Paraguay stellt daher der Anbau von Stevia eine gute Möglichkeit dar, ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, ohne dabei auf den eventuell bestehenden, traditionellen Landbau oder Viehhaltung verzichten zu müssen.

Der Anbau von Ka’a He’e (Stevia) lohnt insbesondere deshalb, weil der Absatzmarkt stabil und die Abnahme der Ernte somit garantiert werden kann – zu einem gewinnbringenden Preis für den Kleinbauern – fair trade ist das Stichwort dazu.

Kann die Pflege der Pflanzungen gewährleistet werden, ist die Kultivierung von Stevia praktisch ohne wirtschaftliches Risiko möglich, denn der wirtschaftliche Gewinn liegt ausnahmslos in der Qualität der getrockneten Blätter.

Auch der finanzielle Aufwand für eine Steviapflanzung ist überschaubar, solange sich der Anbauer stetig und verantwortungsbewusst seiner Plantage widmet und  grundlegende Faktoren berücksichtigt.

Die grundlegenden Faktoren sind:

1. Anbauvoraussetzungen
2. Anbau- und Wachstumszyklen
3. Pflege der Pflanzungen
4. Vermehrung der Stevia

5. Verpflanzung
6. Ernte- und natürlicheTrockungsverfahren


1. ANBAUVORAUSSETZUNGEN

  • Wasser

Die Steviapflanze stammt ursprünglich aus feuchten Gebieten mit einem durchschnittlichen Niederschlag von 1.500 mm pro Jahr. Trockenheit kann sie, wie bereits erwähnt, schlecht vertragen.
In Regionen mit einer jährlichen Niederschlagsmenge von 1.500 – 1.700 mm und auf Böden, die Wasser gut speichern können, kann daher auf künstliche Bewässerung verzichtet werden.

Solch ideale Bedingungen findet man hier in Paraguay in den Departamenten Itapúa, Alto Paraná, Amambay, San Pedro und Caaguazú.

Die Pflanze ist naturgemäß also widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit aber nicht gegen Trockenheit, was letztendlich Auswirkungen auf den optimalen Blattwuchs hat. Sind die genannten Bedingungen nicht gegeben, ist die künstliche Bewässerung unabdingbar – ein nicht unerheblicher Kostenfaktor, der berücksichtigt werden muss.

  • Temperatur

Ka’a He’e (Stevia) ist zwar gegen niedrige Temperaturen sehr resistent, aber es beeinflusst natürlich stark das Wachstum.

Die optimale Temperatur zur Keimung von Saatgut liegt bei 20°C. Bei extrem hohen Temperaturen hat man beobachtet, daß die junge Pflanze empfindlich reagiert und Verkrümmungen an den Triebenden aufweist, die sich jedoch bei niedrigeren Temperaturen wieder erholen.


2. ANBAU- UND WACHSTUMSZYKLEN

Bei den nachfolgend genannten Zyklen sei angemerkt, daß die Jahreszeiten auf der südlichen Erdhalbkugel jenen der nördlichen Erdhalbkugel genau entgegen gesetzt sind.

Die Wachstumsphase der Stevia beträgt ca. 90 Tage. Wird dieser 3-Monatszyklus nicht strikt beachtet, läuft man Gefahr eine Kettenreaktion auszulösen, welche den Erfolg der nachfolgenden Zyklen verhindert:

¨       1. Zyklus – beginnt im September
¨       2. Zyklus – im Januar
¨       3. Zyklus – im April
¨       4. Zyklus – im Juni

Innerhalb von maximal 15-22 Tagen muss also der Beschnitt (die Ernte) erfolgt und ein neuer Zyklus begonnen worden sein.

September:
Der wichtigste Zyklus überhaupt beginnt im (paraguayischen) Frühling und endet im Dezember mit der Haupternte der Blätter (40%). Für diese Ernte haben wir bis zum 15. Januar Zeit und muss bis spätestens am 22. Januar beendet sein. In dieser Phase ist es ist nicht ratsam, Samen zu ernten.

Januar:
In diesem Monat beginnt eine weitere, wichtige Phase für den Blattwachstum (35%) aber nun auch für die Produktion der Samen.

April:
Jetzt beginnt der dritte Zyklus – das Winterwachstum – die zu erwartende Blatternte wird voraussichtlich nur 15% betragen, jedoch wird das Saatgut nun eine hervorragende Qualität erreichen.

Juni:
Absoluter Winterzyklus. Nur noch 10% der Blätter können geerntet werden, dafür jedoch erhalten wir eine absolute Spitzenqualität des Saatguts, für die erneute Anzucht im Frühjahr. Natürlich können neue Pflanzen bereits jetzt in Frühbeeten gezogen werden.

__________

Soweit ein erster Überblick zum Anbau von Stevia in Paraguay. Wie wir sehen, muss tatsächlich einiges beachtet werden, um die bekanntlich hervorragende Qualität des paraguayischen Stevia zu erhalten. Allerdings – und dies macht den großen Unterschied zu Stevia aus Fernost aus – herrschen hier in Paraguay die wichtigsten Faktoren von Natur aus bereits vor – das Klima.

Welche weiteren Faktoren darüber hinaus noch zu beachten sind, erfahren Sie in unserem nächsten Artikel „So funktioniert der Anbau von Stevia – Teil 2“

Über Yerbabuena - die Stevia-Kenner

Dieses Blog berichtet aus Paraguay - der Heimat der Stevia. Gerne teile ich mein Wissen über Stevia mit meinen Lesern und stehe für Fragen zur Verfügung. Kunden, die das echte Stevia in Bio-Qualität in größeren Mengen einkaufen möchten, stehe ich gerne als Vermittler zur Verfügung. Sprechen Sie mich an!
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Eine Antwort zu So funktioniert der Anbau von Stevia – Teil 1

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